Rostock

Ida Schillen

Lebensqualität pur in der Stadt am Meer

(Beitrag für das Standortporträt Rostock)

Unweigerlich verliebt man sich in diese Stadt. Rostock hat alle Vorzüge einer Großstadt und liegt direkt am Meer in prächtiger Küstenlandschaft. Das ist einmalig in Deutschland. Die Universität, übrigens die älteste Nordeuropas, liegt im Zentrum der Stadt. Junge Menschen, die hier studieren, prägen das urbane Leben. Die Stadt hat ein hervorragendes Verkehrssystem. In nur 20 Minuten kann man mit der S-Bahn aus dem Stadtzentrum an den breiten Strand des Stadtteils Warnemünde fahren.

Die Menschen hier haben eine angenehme Mentalität. Sie sind freundlich, gebildet und sprechen ein akzentfreies Hochdeutsch. Man sagt ihnen nach, sie seien auch dickköpfig. Positiv gedeutet, könnte man diesen Charakterzug auch Beständigkeit nennen. Auffällig ist, dass Jugendliche überwiegend feine Manieren haben. Es gibt ein ausgeprägtes Interesse an Kultur und Bildung und zwar unabhängig davon, ob die Leute viel Geld oder wenig haben. Die Bevölkerung identifiziert sich sehr stark mit dem Stadttheater, den Museen, Bibliotheken, der Volkshochschule und den Denkmälern und historischen Wahrzeichen in der Stadt. Als Hommage an die Hafenstadt ist natürlich auch die maritime Kultur in all ihren Facetten sehr beliebt. Das beeindruckendste maritim-kulturelle Ereignis ist die jährliche HanseSail im Monat August. Die spektakuläre Parade der Windjammer wird von hunderten interessanten Schiffen und Segelbooten begleitet. Es ist faszinierend zu erleben, wie selbst Segelmuffel in den Bann der noblen Schönheiten auf der Ostsee gezogen werden.

Rostock ist eine musikalische Stadt, deren Säulen hervorragende Musikschulen, die Hochschule für Musik und Theater und die Norddeutsche Philharmonie sind. Großer Wert wird auf die musikalische Frühförderung in Kindergärten und die Förderung des Instrumentalunterrichts, der Jugendensembles und Chöre an den Schulen gelegt. Seit der Wende haben sich vielfältige Kulturvereine entwickelt, die vor allem kulturelle Bildung und Attraktionen für junge Leute anbieten. Dazu gehören Szeneangebote wie das Mulitmedia-Kunst-Konzert-DJ-Schiff MS Stubnitz, das im Stadthafen ankert und mehrmals im Jahr in See sticht und als Kulturbotschafterin Rostocks andere Hafenstädte im In- und Ausland anläuft.

Von besonderer Qualität ist der Städtebau in Rostock. Zurecht könnte die Stadt als bestes Beispiel einer nach dem zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Stadt bezeichnet werden. Wer durch die östliche Altstadt flaniert oder durch die belebte Kröpeliner Straße im Zentrum, aber auch in den neuen Wohngebieten westlich und östlich der Warnow, wird erfahren, dass funktionale Qualität und ein behutsamer Umgang mit Bausubstanz und maritimer Tradition die Baukultur zu Zeiten der DDR bis heute – mit Ausnahme weniger Bausünden der letzten Jahre- prägen. Rostock kann mit Stolz darauf verweisen, dass nahezu alle Wohnungsbauten saniert sind. Im Wissen darum, dass hervorragende Bildungs- und Kultureinrichtungen die Zugpferde der wirtschaftlichen Entwicklung sind, wurden in den letzten Jahren mit gesteigerten Tempo auch Schulen und Kitas saniert. Der von der Rostocker Bevölkerung lang ersehnte Neubau eines modernen und repräsentativen Theaters wird vorbereitet.

Nach Rostock ziehende Unternehmen und junge Familien finden eine breite Palette von Kindertageseinrichtungen und Schulen vor. Sie haben die Auswahl zwischen zahlreichen Kitas und 53 öffentlichen und 8 privaten Schulen. Schülerinnen und Schüler aus Rostock sahnen bei den einschlägigen Wettbewerben wie Jugend forscht, Jugend musiziert, Jugend trainiert für Olympia stets zahlreiche Preise ab. Die Stadt legt besondern Wert darauf, dass Kinder und ihre Familien preisgünstig Kultur und Sportangebote nutzen können. Seit dem Frühjahr 2006 können die städtischen Museen eintrittsfrei besucht werden. Im Theater zahlen Kinder Niedrigstpreise. In der kommunalen Schwimmhalle können Kinder für 50 Euro das ganze Jahr über und, – wenn sie wollen, – täglich schwimmen.

Alltagskultur auf hohem Niveau

Kulinarisch hat die Stadt etwas zu bieten, was es kaum noch gibt an der deutschen Küste: Auf dem Fischmarkt am Alten Strom in Warnemünde kann man täglich frischen Fisch direkt vom Kutter kaufen. Ob Dorsch, Flunder oder Hering – ein Geschmack, der auf der Zunge zergeht. Ob feines Fischrestaurant oder einfache Fischbude, überall frischer Fisch, nirgends schlägt dem Gast ein unangenehmer „Fisch“geruch entgegen.

Der breite und feine Sandstrand in Warnemünde lockt im Sommer Scharen von Sonnenanbetern. Die Ostsee brilliert hier an dieser Stelle durch klares und sauberes Wasser, durch leichten sandigen und niedrigen Einstieg, was vor allem Familien mit kleinen Kindern und ältere Menschen sehr mögen. Überhaupt – am Strand von Warnemünde kann man die besondere Kinderfreundlichkeit der Ostdeutschen genießen. In friedlicher Koexistenz, ohne Agression und Gezänke, tummeln sich hier zur Hochsaison tausende von Kindern, Eltern und Singles. Die bunten Strandkörbe, Kitesurfer, Segelregatten, die ein- und ausfahrenden Fähren, Schiffe und Kreuzliner – am Strand von Warnemünde ist immer etwas los, ohne dass es laut und lärmend wirkt.

Mit auslaufender Saison bewegt sich die Strandbevölkerung, die im Sommer überwiegend in horizontaler Lage die Zeit verbringt, allmählich in vertikale Position. An den Wochenenden der kühleren Jahreszeiten verwandelt sich der Strand in eine ständige Prozession von Spaziergängern und Spaziergängerinnen. Die Wanderbewegung beginnt etwa um 10 Uhr, die Farbe der Bekleidung wird mit zunehmender Kälte etwas dunkler, jedoch nie geschlossen schwarz. Angenehm fällt auf, dass hier an der Küste nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer und älteren Leute zu jeder Jahreszeit freundliche Farbtöne bevorzugen.

Eine wahre Wonne ist es, den so bezeichneten Eisbadenden zuzusehen, wie sie mit in sich ruhender Zufriedenheit bei jedem Wind und Wetter in der Ostsee baden und mit wohl durchbluteten Wangen und guter Laune das eiskalte Wasser wieder verlassen. Diese besondere Badekultur stärkt das Immunsystem. Wer einmal damit angefangen hat, kann nicht mehr davon lassen. Zu schön ist das wohlige Gefühl danach. Rein mental, nur im Kopf vollziehe sich die Überwindung, z.B. bei minus 10 Grad Luftemperatur in die 2 Grad kalte Ostsee zu steigen, heißt es.

Segelregatta – Einfahrt in den Warnemünder Hafen

Rostock ist ein Eldorado des Freizeitsports, zu Wasser und zu Lande. Die besondere Lage am Wasser, kilometerlange unverbaute Strände und herrliche Küstenwälder bieten umsonst und draußen zahlreiche Freizeitaktivitäten wie Segeln, Rudern, Schwimmen, Laufen, Wandern, Radfahren und Reiten. Vor Warnemünde liegt eines der besten und schönsten Segelreviere. Jährlich zur legendären Warnemünder Woche treffen sich hier Spitzenseglerinnen und Segler aus aller Welt. Rostock ist Zentrum des Hochleistungssports in den Bereichen Segeln, Wasserspringen, Rudern und Shorttracking. Wer Leichtathletik und Ballsport bevorzugt, kann in gut ausgebauten Stadien und Sporthallen der Stadt trainieren.

Die gute Mischung aus Angeboten der Bildung, Kultur und Freizeit veranlasst immer mehr junge Familien aber auch ältere Menschen, wieder in die Stadt zu ziehen. Dieser Trend ist der beste Indikator dafür, dass die Hansestadt Rostock eine attraktive Stadt ist, gleichermaßen liebens- und lebenswert.

Ida Schillen, Dipl. Ing. Stadt- und Regionalplanerin, wechselte 2001 von der Hauptstadt Berlin in die Hansestadt Rostock. Dort war sie von 2001 bis 2008 Senatorin für Kultur, Schule und Sport.

Keine Kommentare

Sorry, the comment form is closed at this time.

Film über das Mietshaus-Syndikat

„Das ist unser Haus!“ from SEELAND Medienkooperative on Vimeo.

Räume aneignen mit dem Mietshäuser Syndikat.
Der Film „Das ist unser Haus!“ erläutert das solidarische Modell des Mietshäuser Syndikats (www.syndikat.org), mit dem sich auch finanzschwache Gruppen bezahlbare Räume in Gemeineigentum nachhhaltig sichern können.
„Das ist unser Haus!“ ist ein Film der Autoren und Produzenten Burkhard Grießenauer, Daniel Kunle und Holger Lauinger. Die Produktion wurde mit Hilfe des SEELAND Medienkooperative e.V. realisiert.

Griechenland und die „TROIKA“

Lesenswert zum Thema Griechenland: Artikel in ARBEIT&WIRTSCHAFT

Hier auch als pdf-Datei:

Arbeit&Wirtschaft – Bruch des EU-Vertrages

Brecht hat Recht

brecht

Position der Linksfraktion „TTIP – Freihandelsabkommen stoppen“

ttip

„Seit Mitte 2013 verhandeln EU und USA offiziell über ein Transatlantisches Freihandels- und Investitionsabkommen, das sogenannte TTIP. Insbesondere durch eine Angleichung von Normen und Standards soll der größte Handelsraum der Welt entstehen. Auf den Verhandlungstisch kommt alles: Finanzmarktregeln, Arbeitnehmerrechte, Umweltstandards und vieles mehr. Ganz grundsätzlich zielt das Abkommen darauf ab, Konzerne und Kapital gegenüber Bürgerinnen und Bürgern weiter zu bevorteilen. Die konkreten Inhalte werden jedoch geheim gehalten, um „den Verhandlungserfolg nicht zu gefährden“. DIE LINKE ist entschieden gegen diese Geheimverhandlungen – gerade bei einem so weitreichenden Abkommen.“

Zur Information hat die Fraktion eine lesenswerte Broschüre erstellt, die hier als Datei heruntergeladen und gelesen werden kann:

Broschüre der Bundestagsfraktion zum Download

In einigen Tagen wird die Broschüre in gedruckter Form zur Verfügung stehen und  kann dann bei der Fraktion angefordert werden.

Das sogenannte „Frei“handelsabkommen zwischen EU und USA ist unverhandelbar.

TTIP_unfairhandelbar_schriftmarke_web

Solidarische Leerstandsnutzung

Durch einen Hinweis in der Zeitschrift LUXEMBURG (Abo ist übrigens kostenlos!) wurde ich auf eine weitere Leerstandsnutzung aufmerksam: Das süditalienische Dorf RIACE hat seine leerstehenden Gebäude Flüchtlingen und Asylsuchenden zur Verfügung gestellt und diese willkommen geheißen. Die Folge: in das aussterbende Dorf ist wieder Leben eingekehrt.

Anstatt in Deutschland Gebäude leer stehen zu lassen oder mit Steuermitteln Wohnhäuser ab zu reißen, sollte man sich RIACE als Vorbild nehmen!

Ausschnitt aus einem Bild von Giovanna del Sarto aus der genannten Fotodokumentation

Siehe die Fotodokumentation von Giovanna del Sarto

Artikel in der ZEIT Flüchtlinge retten Riace vor dem Untergang / Die Flüchtlinge haben Riace zu wirtschaftlichem Aufschwung verholfen

3SAT:Das Dorf der Zukunft – Im kalabrischen Riace finden Flüchtlinge Heimat

ORF: Riace – das gallische Dorf in der EU 

Film von Wim Wenders bei YouTube

Video vom TVSette / RAI UNO

Kreative Leerstandsnutzung

http://www.haushalten.org/pix/haushalten_bg.gif

Die SeinImSchein Filmproduktion und der Verein Haushalten e.V. haben einen sehenswerten Film ins Internet gestellt, der Beispiele für die Nutzung von leerstehenden Gebäuden zeigt: als Wächterhäuser, die als Zwischennutzung Freiräume bieten für Kleingewerbe, Kunsthandwerk, Jugendliche, Kunst, Pflanzen, Mobile Hünerställe zum Ausleihen etc. und Ausbauhäuser, die Menschen die Möglichkeit geben, ihre Räume selbst auszubauen und zu renovieren und dafür langfristige Mietverträge zu sehr günstigen Konditionen erhalten.

Auch für die Hauseigentümer bieten diese Konzepte soviel Anreize, dass der Verein inzwischen diverse leerstehende Häuser vom Leerstand befreit und vor dem Abriss bewahrt hat.

Der Film http://vimeo.com/84391735

Logo des Vereins Haushalten e.V.

Der Verein Hauhalten e.V. – Sehr übersichtliche und transparente Website mit nützlichen Infos.

OHNE Amazon

ohne_amazon_banner_klein

Wer ein bißchen nachdenkt und Interesse daran hat, dass es auch weiterhin Buchhandlungen, kleine Verlage und unterschiedlichste Bücher gibt, der sollte OHNE Amazon auskommen! Wer aus Bequemlichkeit und ohne Nachzudenken bei Amazon bestellt, trägt damit zur Unterstützung von dessen Monopolstellung bei und belohnt dessen miese Arbeitsbedingungen und das quasi-erpresserische Geschäftsgebaren gegenüber Verlagen und Autor/innen.
Also besser OHNE Amazon!
Wie geht es? Kleine Anleitung: WEITERLESEN » » »

Eigentum und Daseinsvorsorge

Veranstaltung mit ROTFUCHS
Vortrag und Diskussion Eigentum und Daseinsvorsorge
09.01.2014 um 15.00 Uhr

Ida Schillen, Mitglied des Bundesvorstandes der Partei DIE LINKE,
spricht zum Thema: „Eigentum und Daseinsvorsorge“.
Veranstaltungsort: Mehrgenerationenhaus Rostock- Evershagen, Maxim-Gorki-Str. 52

Einladung zur LINKEN Kommunalwerkstatt in Bochum

Am Samstag, 25.1.2014 von 10.30 bis 17.30 Uhr
im Wahlkreisbüro von Sevim Dagdelen, Alleestr. 36, 44793 Bochum

Die Kommunalwerkstatt ist ein Angebot für politisch engagierte Menschen, die in der Kommunalpolitik aktiv sind oder es werden wollen, beispielsweise als Ratsmitglied oder sachkundige/r Bürger/in. Inhalt der Werkstatt ist es, auf der Grundlage des Erfurter Programms der LINKEN kommunalpolitische Ziele zu formulieren und in der lokalen Praxis um zu setzen.

Kommunalwerkstatt  Flyer zum Herunterladen

Aufruf zur Unterstützung des Filmprojekts „Wer rettet wen?“

Nein zum Syrienkrieg! Widerstand gegen die Kriegstreiberei!

syrien2

Finanzarchitektur

finanzarchitektur

jungewelt 25.7.2013 THEMA

Durch die neoliberale Stadtumstrukturierung werden immer neue Megabauten ­vorangetrieben. Milliarden Steuergelder fließen so unkontrolliert in private Taschen

Von Ida Schillen

Ab dem heutigen Donnerstag findet in Stuttgart das dritte europäische Forum gegen unnütze und aufgezwungene Großprojekte statt. Es wendet sich gegen Bauvorhaben, die direkt oder indirekt mit sehr viel öffentlichem Geld von privaten Konzernen realisiert werden. Es handelt sich um Projekte von erheblicher Tragweite, die in die Lebensumwelt von Menschen, von Flora und Fauna eingreifen. Mehr als 800 Aktivistinnen und Aktivisten aus unterschiedlichen Ländern werden in Stuttgart erwartet, um den Protest in Europa und anderswo zu koordinieren. Im Selbstverständnis des Forums geht es um die Rettung der Lebensgrundlagen in Natur und Gesellschaft. Thematisiert werden gesellschaftliche und politische Hintergründe und die zerstörerischen Mechanismen bei Großprojekten, die mit vorsätzlichen Täuschungen, mit medialer Irreführung und brachialen staatlichen Methoden wie Knüppel und Tränengas im Interesse der beteiligten Konzerne und Politiker durchgesetzt werden.

Die Initiativen widersetzen sich zum Beispiel dem Bau des Eisenbahntunnels im italienischen Susatal, wo 2011 das erste Forum stattfand. Sie wehren sich gegen die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Lyon und Turin, den Megaflughafen bei Nantes und den Tiefbahnhof »Stuttgart 21« (»S21«). Die brasilianische Protestbewegung kämpft gegen Großprojekte wie die Olympischen Spiele und den Belo-Monte-Staudamm, der der indigenen Bevölkerung im Regenwaldgebiet die Lebensgrundlage entzieht. Die Initiative zur Rettung von Hasankeyf, einer antiken Stadtfestung am Tigris, engagiert sich seit 2006 gegen den destruktiven Ilisu-Staudamm in der Südosttürkei. Die »Save Rosia Montana«-Kampagne kämpft schon zehn Jahren lang gegen das größte europäische Goldtagebauprojekt in Rumänien. Mehrere Workshops befassen sich mit dem weltweiten Ausstieg aus der Atomenergie und mit der Problematik von Großprojekten in der Energiewende. Es wird über das Bündnis der Taksim-Solidarität zum Erhalt des Gezi-Parks in Istanbul informiert und über andere Protestbewegungen gegen Megaeinkaufszentren, Tunnel, Brücken und Straßenbauvorhaben.

In Deutschland werden seit einiger Zeit drei städtische Großprojekte breit und kritisch in der Öffentlichkeit diskutiert: das Stuttgarter Bahnhofsprojekt »S21«, die Hamburger Elbphilharmonie und der Flughafen Berlin-Brandenburg BER.

Neoliberale Landmarken

Großprojekte sind wesentliche Merkmale einer neoliberalen Stadtpolitik, WEITERLESEN » » »

Die Abrißbirne ist keine gute Wahlkampfhilfe

junge Welt, 20.07.2013 / Inland / Seite 2

»Die Abrißbirne ist keine gute Wahlkampfhilfe«

Auseinandersetzung in der Linken um ein Einkaufszentrum in Duisburg, dem Wohnungen weichen sollen. Ein Gespräch mit Ida Schillen

Interview: Markus Bernhardt

Ida Schillen ist Stadt- und Regionalplanerin. Seit 2008 ist sie Mitglied im Bundesvorstand der Partei Die Linke

Sie gelten in Sachen Mieten- und Wohnungspolitik als Expertin der Linkspartei. In einem Thesenpapier bezeichnen Sie die »Versorgung mit preisgünstigem und gutem Wohnraum« als »Daseinsvorsorge«, die in die öffentliche Hand gehöre und »ohne Profitorientierung organisiert« werden muß. Finden Ihre Thesen Zuspruch in der Partei?

Ja, diese Thesen sind weitgehend auch in das aktuelle Bundestagswahlprogramm der Linken eingeflossen. Unser Ziel ist es, bezahlbaren Wohnraum für alle zu sichern. Deshalb fordern wir feste kommunale Mietobergrenzen und ein Erhöhungsverbot bei Mieterwechsel. Wir wollen die Zweckentfremdung von steuerlich und direkt subventionierten Mietwohnungen verbieten. Es darf nicht sein, daß dieser Wohnungsbestand künstlich verknappt wird, indem Mietwohnungen in Eigentums- oder Ferienwohnungen umgewandelt werden oder aus Spekulationsgründen leer stehen, während vor allem in Großstädten Menschen preiswerte Wohnungen suchen. Wir wollen, daß wieder eine öffentliche Wohnungsversorgung aufgebaut wird, indem die Kommunen in die Lage versetzt werden, eigene Bestände zu erwerben und selbst zu bewirtschaften, ohne daß die Gewinne in Kapitalgesellschaften versickern und der private Finanzmarkt bedient wird. WEITERLESEN » » »